Gartentagebuch

 

Ende Juli

 

Grillen zirpen im Gras. Ein Insekt summt vorbei, am Phlox flattert ein weißer Schmetterling. Die Sonne brennt, man meint fast, die trockenen Pflanzen knistern zu hören. Am Himmel, in weiter Ferne, brummt ein Flugzeug. Eine Sommerstimmung, wie ich sie eher aus dem Urlaub kenne. So lange so heiß war es noch nie, seit ich den Garten habe. So entspannt es für Menschen ist – größere Aktivitäten sind bei den Temperaturen ja nicht möglich – so anstrengend ist das für die Pflanzen. Die Wurzeln suchen tief nach der letzten Feuchtigkeit im Boden. Manche schaffen das gut, vor allem die größeren Pflanzen, die seit Jahren am Platz stehen. Andere verweigern das Wachstum, etwa die Roten Bete, der Salat, selbst die Bohnen stocken.

Den Gurken gefällt zwar die Wärme, doch vermissen auch sie das Wasser, was sie mit Bitterkeit quittieren. Einige Früchte quälen sie sich ab, die sind jedoch ungenießbar. Kurze Regenschauer und gelegentliches Wässern reichen einfach nicht aus. In so einem Sommer müsste jeden Abend gegossen werden, was ich nicht tue. Es wuchs ohnehin zu spärlich im Beet, als dass es lohnen würde. Glücklicherweise müssen wir nicht von dem Gemüse leben. Restlos erholt hat sich immerhin der Rosmarin, dem der letzte Frost im März stark zugesetzt hatte. Der Busch hat viele neue Triebe gebildet und ist dunkelgrün.

Immerhin Äpfel gibt es im Überfluss. Fast keiner ist makellos, doch viele sind essbar, wenn Druckstelle oder Wurmloch herausgeschnitten werden. Es sind ohnehin Äpfel einer – namenlosen – Sorte, die nur frisch schmecken, sie lassen sich nicht lange lagern. Die ersten Zwetschgen werden ebenfalls bald reif, vor allem das obere Drittel des Baumes ist dicht behangen. Es wird schwierig sein, heran zu kommen. Die Herbstanemonen sind früh dran, ihrer üblichen Zeit zwei, drei Wochen voraus, und sehen nicht ganz so frisch aus wie sonst. Immerhin bringen sie Blüten in den Garten. Anderes schmückt sich mit trockenen Samenständen, der Schnittlauch zum Beispiel oder die Akelei, bei Berührung fallen die Samen heraus.

Die Wilde Karde passt zur Zeit am besten zur Atmosphäre des Gartens, besser als die Herbstanemonen, der Phlox, der unbeirrt blüht und relativ frisch aussieht, oder das Chinaschilf, dessen Blütenwedeln in den Startlöchern stehen. Einige der Karden sind elfenbeinweiß ausgeblichen, alle sind sie stachelig und trocken.

Jeden Monat berichte ich im Magazin des „Kölner Stadt-Anzeiger“ über meinen Garten.

Archiv

Juni

Mai

April

März

Februar

Januar

Dezember

November

Oktober

September

August

Juli